Das Museum mit silbern schimmernder Aluminiumfassade am Rande der Bozener Altstadt ist von den umliegenden Bergen aus deutlich zu sehen. Das Museum stellt sich mit den nach innen geneigten Stirnseiten und der nach beiden Seiten offenen Empfangs- und Ausstellungshalle in die ideelle Achse zwischen der Historischen Altstadt und der unter Mussolini konzipierten Stadterweiterung. Kunst und Stadt treten dadurch in einen direkten Dialog, welcher durch den neuen ebenfalls von KSV entworfenen Brückenschlag über den Fluss Talfer bildhaft deutlich wird. Das Museum überwindet das Konzept der introvertierten Kunstbox und kommuniziert über die gläserne Fassade mit dem Außenraum. Die Kunst tritt dadurch in die öffentliche Wahrnehmung. Tagsüber wird über bewegliche transluzente Lamellen das Tageslicht in die Ausstellungsbereiche gelenkt und der Raum inszeniert. Mit Einbruch der Dunkelheit wird die Lamellenebene zur riesigen Projektionsfläche. Bild-, Licht- und Videokunst werden zum Bestandteil des Stadtbildes.

Aktive Klimafassade
Neben der Aufgabe, Licht aufzunehmen und zu lenken, trägt die mehrschichtige Fassade dazu bei, als Klimapuffer den Energieverbrauch des Gebäudes zu reduzieren. Der energetische Effekt wird durch ein flexibles Lüftungssystem erzielt, das entsprechend der Sonneneinstrahlung seine Strömungsrichtung verändert (siehe Schemata). Die thermisch wirksame innere Glasschicht trennt die Ausstellungsbereiche vom Fassadenzwischenraum. Die äußere Glasschicht ist eine Wetterschale und schafft einen klimatischen Puffer zwischen Außen– und Innenklima. Zusätzlich schützt sie die im Zwischenraum liegenden Glaslamellen vor Witterungseinflüssen und Verschmutzung. Der Querschnitt der Doppelfassaden auf beiden Gebäudeseiten wird zur Luftführung, Ansaugen und Aus-blasen, genutzt. Je nach Jahreszeit und Sonnenstand wird die Luft im Dachbereich auf der Ost- oder Westseite gefiltert angesaugt und gelangt über die Doppelfassade und einen großen Luftkanal unter der Bodenplatte in die Technikzentrale.Diese Lösung ist der speziellen Aufgabenstellung dieses Museums geschuldet: Vollklimatisierung, stark wechselnde Besucherfrequenz, höchste Klima- und Sicherheitsanforderungen. Das Bündel der beschriebenen Maßnahmen insbesondere der „aktiven Klimafassade“ hat dazu geführt, dass auf der Grundlage von rechnerischen Simulationen die technischen Aggregate der Klimatisierung um 10-15% in ihrer Dimensionierung reduziert werden konnten. Das neue Gebäude hat die Auszeichnung der Klimaplakette mit der Zertifizierung „Klimahaus B“ durch KlimaHaus Agentur GmbH erhalten.
Metall
Im Unterschied zu den gläsernen Trichtern der Eingangsfassaden sind die Längsseiten und die Dachfläche des Museums mit den integrierten Oberlichtern mit einer Metallhaut aus Aluminium verkleidet. Durch die Profilierung und das Wechselspiel von fugenlosen und mit Schattenfuge verlegten Elementen entsteht eine aus der Ferne und aus der Nähe sichtbare horizontale Fassadenstruktur des Museums, die die Ausrichtung des beidseitig geöffneten Kubus unterstreicht. Ähnlich wie klassische Säulenkanneluren das Volumen mit Hilfe von Licht und Schatten modellieren, so gliedert die feine, wechselnde Profilierung der Metallpaneele im Zusammenspiel mit tieferen Fugen die geschlossenen Seitenansichten des Museums. Um den Eindruck einer massiven Metallschale zu erreichen, wurden lange, extrem maßgenaue Aluminiumelemente zu einer durchgehenden Hülle zusammengefügt. Aufgrund der hohen Stabilität können diese Paneele sowohl als Fassendenbekleidung mit beweglichen Öffnungsklappen und Lamellen über den Dachoberlichtern als auch als Bodenbelag eingesetzt werden. Erst dadurch wird es möglich, Eingangbereich, Seitenfassaden und Dach des Baus mit ein und demselben metallischen Mantel komplett zu überziehen. Das Gebäude ist dadurch noch von den umliegenden Bergen aus als silbriger Korpus wahrnehmbar.
Flexibilität
Die weißen Wände und die großen Lichtdecken bilden das räumliche Kontinuum des Hauses. Bewegliche Elemente ermöglichen Verwandlungen räumlicher und atmosphärischer Art: im Untergeschoss durch Wandelemente, die aus dem neutralen Ausstellungsraum einen Veranstaltungsort werden lassen. Die Seiten der Wandelemente haben unterschiedliche Oberflächen aus Filz und Schultafelfarbe. Je nachdem, welche Seite zum Innenraum orientiert ist verändert sich die Akustik und die Optik. Im Foyer und im Bibliotheksgeschoss ermöglichen raumhohe Glaselemente die Verbindung oder Trennung von Raumbereichen. So kann zum Beispiel der Ausstellungsbereich mit der Bibliothek verbunden werden. Wenn am Wochenende das Museum geöffnet, aber die Bibliothek geschlossen ist, lassen sich über bewegliche Elemente die Bücherregale der Ausleihe verschließen.
SARN - Möbelserie für das Museion
Für die Ausstellungsräume wurde unter dem Namen SARN eine Serie von Möbeln aus veränderbaren Bänken entwickelt. Die gewählten Materialien könnten gegensätzlicher kaum sei: Filz als uraltes natürliches Material und Aluminium als präzises technisches Material unserer Zeit. Die Filzmatten wurden mit einer Metallkordel auf die lasergeschnittenen Aluminiumplatten „aufgenäht“. Die Reduktion der Materialien und die klare Geometrie der Sitzflächen und Lehnen ermöglicht eine selbstverständliche Präsenz der Möbel in unterschiedlichen Raum- und Ausstellungskonzepten. In Anlehnung an Werkstatt- und Labormöbel tragen auch die Bänke die Idee einer größtmöglichen Flexibilität und Praktikabilität weiter: Einsteckbare Rückenlehnen lassen die Bänke zu verwandelbaren Sitzobjekten werden. Für die je nach Sitz- und Blickrichtung klappbaren Lehnen waren die historischen Bänke auf der Bozener Talferpromenade Vorbild.
Städtebauliche Lage
Das MUSEION mit seiner silbern schimmernden Aluminiumfassade am Rande der Bozener Altstadt ist aus den umliegenden Bergen deutlich zu sehen. Das Museum stellt sich mit den nach innen geneigten Stirnseiten und der nach beiden Seiten offenen Empfangs- und Ausstellungshalle in die ideelle Achse zwischen der historischen Altstadt und der unter Mussolini konzipierten Stadterweiterung. Kunst und Stadt treten dadurch in einen direkten Dialog, welcher durch den neuen Brückenschlag über den Fluss Talfer bildhaft deutlich wird.
Innenräume
Über die Gestaltung und Modellierung des Lichts gewinnen die Innenräume ihren Charakter und ihre Eigenheiten. Deshalb ist das Innere des Gebäudes mit seinen Wänden und Einbauten sowie Möbeln weiß. Weiß, weil es dem Licht am nächsten kommt, den Raum weitet, Objekte und Menschen zu Akteuren macht. Nur die unmittelbar zu berührenden Dinge wie Geländer, Türgriffe, Möbel behalten ihre konkrete Materialität. Die Möbel sind Teil der Architektur, klar, einfach, neutral und flexibel in jedem Bereich einsetzbar. Die markante Struktur der Lichtfelder an der Decke folgt der dreischiffigen Struktur des Hauses und lässt das Museum aus sich heraus leuchten. Der Terrazzoboden verändert seine Farbe beginnend von schwarz im Veranstaltungsbereich im Untergeschoss über grau zu weiß in der oberen Tageslichtebene.
Medienfassade
Die Besonderheit ist die technische Überlagerung der Klima- und Medienfassade. Tagsüber wird über bewegliche transluzente Lamellen das Tageslicht in die Ausstellungsbereiche gelenkt und der Raum inszeniert. Bei Einbruch der Dunkelheit bilden die beweg-lichen transluzenten Glaslamellen eine Projektionsfläche. Aus dem Innern des Gebäudes verwandeln Projektoren die Glasfassaden auf beiden Seiten des Museums in große Bildschirme. Damit bietet sich die Möglichkeit, Medienkunst auf den beiden Glasfassaden in einer einmaligen Form und Dimension zu präsentieren.
Glas
Im Gegensatz zur massiven Metallhaut ermöglicht die nur an den Eckpunkten fixierte und an einer Seilkonstruktion hängende äußere Glasfassade eine größtmögliche Transparenz. Im Zusammenspiel mit der inneren Verglasung und den transluzenten, beweglichen Lamellen fängt das Museum am Abend an, aus sich heraus zu strahlen und zu leuchten. Die vielschichtige gläserne Fassade wirkt dabei wie ein Filter. Die großen Glasfassaden in jedem Ausstellungsgeschoss funktionieren wie „seitliche“ Oberlichter und geben diesen Räumen eine besondere, unverwechselbare Atmosphäre. Tagsüber kann das Licht raumweise in die Ausstellungsbereiche gelenkt und modelliert werden. Dies geschieht über die beweglichen, transluzenten Lamellen zwischen den beiden Glasschichten der Fassade sowie einen Screen auf der Innenseite. Es entsteht ein ruhiger, heller Hintergrund für die Kunst. Mit Einbruch der Dunkelheit wird die Lamellenebene zur Projektionsfläche. Das Licht geht nun den umgekehrten Weg: Eine Vielzahl miteinander vernetzter Projektoren verwandelt die gesamte Glasfassade in einen riesigen Bildschirm.
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